Hallo Community,
nach anfänglichen Gesprächen mit Viktor und nun auch mit Maximilian, habe ich hier eine Anleitung geschrieben, mit der ich FranzFon auf meinem Unraid System zum laufen bekommen habe. Die Anleitung beschreibt den Weg von der Proxmox-Backup-Datei bis zur lauffähigen Unraid-VM.
Ausgangsdatei (VersionsNummer kann natürlich aktueller sein):
vzdump-qemu-900-2026_05_29-13_11_18.vma.zst
Diese Datei ist ein Proxmox-VM-Backup und kann nicht direkt als Unraid-VM gestartet werden. Sie muss zuerst entpackt und aus dem Proxmox-VMA-Archiv extrahiert werden.
- BACKUP AUF UNRAID ABLEGEN
Die Backup-Datei wird auf dem Unraid-Server abgelegt, zum Beispiel unter:
/mnt/user/isos/franzphone/
Beispiel:
/mnt/user/isos/franzphone/vzdump-qemu-900-2026_05_29-13_11_18.vma.zst
Falls der Ordner noch nicht existiert:
mkdir -p /mnt/user/isos/franzphone
- PROXMOX-BACKUP AUF UNRAID EXTRAHIEREN
Unraid enthält standardmäßig kein vma-Werkzeug zum Entpacken von Proxmox-VMA-Backups.
Daher kann ein Docker-Container mit den benötigten Proxmox-VMA-Tools verwendet werden.
Container starten:
docker run --rm -it
-v /mnt/user/isos/franzphone:/backup
ganehag/pve-vma-docker bash
Im Container:
cd /backup
Zuerst die .zst-Datei in eine .vma-Datei entpacken:
zstd -d -f vzdump-qemu-900-2026_05_29-13_11_18.vma.zst -o franzphone.vma
Danach das VMA-Archiv extrahieren:
vma extract -v franzphone.vma ./extract
Wichtig:
Der Zielordner extract sollte vorher nicht existieren. Falls er bereits existiert, kann vma extract abbrechen.
Nach erfolgreicher Extraktion sollten unter anderem diese Dateien vorhanden sein:
/mnt/user/isos/franzphone/extract/disk-drive-scsi0.raw
/mnt/user/isos/franzphone/extract/qemu-server.conf
- VIRTUELLE FESTPLATTE NACH UNRAID KOPIEREN
Die extrahierte RAW-Disk wird in den Unraid-VM-Ordner kopiert:
mkdir -p /mnt/user/domains/FranzPhone
cp /mnt/user/isos/franzphone/extract/disk-drive-scsi0.raw /mnt/user/domains/FranzPhone/vdisk1.img
Danach sollte die VM-Festplatte hier liegen:
/mnt/user/domains/FranzPhone/vdisk1.img
- PROXMOX-KONFIGURATION PRÜFEN
Die Datei qemu-server.conf enthält wichtige Informationen zur ursprünglichen Proxmox-VM.
Anzeigen mit:
cat /mnt/user/isos/franzphone/extract/qemu-server.conf
Relevante Beispielwerte:
boot: order=scsi0;net0
cores: 2
memory: 4096
net0: virtio=BC:24:11:4B:3E:70,bridge=vmbr0
ostype: l26
scsi0: local-lvm:vm-900-disk-0,iothread=1,size=32G
scsihw: virtio-scsi-single
Daraus ergeben sich sinnvolle Unraid-Einstellungen:
BIOS: SeaBIOS
vDisk Bus: SCSI
SCSI Controller: VirtIO-SCSI
Network Bridge: br0
Network Model: virtio
RAM: 4096 MB
CPU: 2 Kerne
- VM IN UNRAID ERSTELLEN
In Unraid:
VMs → Add VM → Linux
Empfohlene Einstellungen:
Name: FranzFon
BIOS: SeaBIOS
Machine: i440fx
CPU: 2 Kerne
RAM: 4096 MB
Primary vDisk Location: Manual
Primary vDisk Path: /mnt/user/domains/FranzPhone/vdisk1.img
Primary vDisk Bus: SCSI
Network Bridge: br0
Network Model: virtio
Graphics Card: VNC
Wichtig:
Es darf keine neue leere vDisk erstellt werden. Die vorhandene Datei vdisk1.img muss als bestehende Festplatte eingebunden werden.
- VNC-ZUGRIFF
Nach dem Start der VM kann die Konsole über VNC geöffnet werden.
Der VNC-Port kann mit folgendem Befehl geprüft werden:
virsh vncdisplay FranzFon
Beispielausgabe:
:0
Das entspricht dem VNC-Port:
5900
Verbindung mit einem externen VNC-Viewer:
Unraid-IP:5900
Beispiel:
192.168.0.2:5900
- NETZWERK IN DER VM AUF DHCP VORBEREITEN
Damit die VM nach dem Start automatisch eine IP-Adresse vom Heimrouter erhält, sollte die Netzwerkkonfiguration auf DHCP gesetzt werden.
Falls kein direkter Shell-Zugriff in der VM möglich ist, kann die VM-Festplatte offline auf Unraid gemountet werden.
Zuerst die VM stoppen:
virsh destroy FranzFon
Partitionen prüfen:
fdisk -l /mnt/user/domains/FranzPhone/vdisk1.img
Bei einer Systempartition mit Startsektor 2048 ergibt sich folgender Offset:
2048 × 512 = 1048576
Systempartition mounten:
mkdir -p /mnt/franzroot
mount -o loop,offset=1048576 /mnt/user/domains/FranzPhone/vdisk1.img /mnt/franzroot
Die Netzwerkkonfiguration befindet sich unter:
/mnt/franzroot/etc/network/interfaces
Die Datei kann auf DHCP für eth0 gesetzt werden:
cp /mnt/franzroot/etc/network/interfaces /mnt/franzroot/etc/network/interfaces.bak
cat > /mnt/franzroot/etc/network/interfaces <<'EOF'
auto lo
iface lo inet loopback
auto eth0
allow-hotplug eth0
iface eth0 inet dhcp
EOF
- GRUB FÜR KLASSISCHEN INTERFACE-NAMEN ETH0 ANPASSEN
Damit Debian die Netzwerkkarte als eth0 benennt, können die Kernel-Parameter ergänzt werden:
Backup erstellen:
cp /mnt/franzroot/boot/grub/grub.cfg /mnt/franzroot/boot/grub/grub.cfg.bak
Kernel-Parameter ergänzen:
sed -i '/^[[:space:]]*linux[[:space:]]/ s/$/ net.ifnames=0 biosdevname=0/' /mnt/franzroot/boot/grub/grub.cfg
Prüfen:
grep -nE "^[[:space:]]*(linux|linuxefi)" /mnt/franzroot/boot/grub/grub.cfg | head -20
Am Ende der Linux-Zeilen sollte stehen:
net.ifnames=0 biosdevname=0
Danach die Partition sicher aushängen:
sync
umount /mnt/franzroot
- VM STARTEN
Die VM kann nun gestartet werden:
virsh start FranzFon
Danach sollte sie per DHCP eine IP-Adresse aus dem Heimnetz erhalten.
Prüfen kann man das zum Beispiel mit:
virsh domifaddr FranzFon --source arp
oder in der FritzBox bzw. im Router unter den Netzwerkgeräten.
- FUNKTIONIERENDE ZIELKONFIGURATION
Die empfohlene Zielkonfiguration für FranzFon auf Unraid lautet:
BIOS: SeaBIOS
Machine: i440fx
vDisk: /mnt/user/domains/FranzPhone/vdisk1.img
vDisk Bus: SCSI
SCSI Controller: VirtIO-SCSI
Network Bridge: br0
Network Model: virtio
RAM: 4096 MB
CPU: 2 Kerne
Grafik: VNC
In der VM:
/etc/network/interfaces auf DHCP für eth0 setzen
GRUB-Kernelparameter ergänzen: net.ifnames=0 biosdevname=0
- HINWEISE
Ein Proxmox-Backup im Format .vma.zst kann auf Unraid nicht direkt als VM gestartet werden.
Der Ablauf ist:
Proxmox-Backup entpacken
VMA-Archiv extrahieren
RAW-Disk nach Unraid kopieren
Neue Linux-VM in Unraid erstellen
Vorhandene RAW-Disk als vDisk einbinden
VM mit SeaBIOS und SCSI/VirtIO-SCSI starten
Netzwerk auf DHCP vorbereiten
Für eine besonders einfache Migration wäre es hilfreich, wenn zukünftige Images beim ersten Start automatisch DHCP verwenden und nicht fest an einen bestimmten Interface-Namen wie ens18 gebunden sind. Dies würde die Integration in Unraid vereinfachen.
Viele Grüße
Nino Rossi
ps.: Im Falle von Fehlern etc. übernehme ich keinerlei Haftung, jeder sollte sich schon ein wenig mit der Materie auskennen.